Lehrte. Frauen gehören in die Küche und sollen möglichst viele Kinder bekommen, um damit zur Ausbreitung der „arischen Rasse“ beizutragen. Das war zumindest die Ansicht der Nationalsozialisten. Um die Gebärfreudigkeit zu erhöhen, verliehen sie seinerzeit das sogenannte Mutterkreuz. In Bronze gab es die Auszeichnung für vier oder fünf Kinder, ab sechs Kindern wurde den Müttern das Kreuz in Silber und ab acht in Gold verliehen.

Das haben Besucherinnen und Besucher am Sonntag in einer Ausstellung der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Lehrte zum Thema Nationalsozialismus von Lemya Talu und Viktoria Bossert erfahren. Die beiden Schülerinnen hatten sich für ihre Facharbeit im Seminarfach „Chronicle Lehrte“ intensiv dem Thema Emanzipation und Gleichberechtigung von Frauen im Nationalsozialismus gewidmet und präsentierten ihre Ergebnisse nun in einer Ausstellung im Oberstufengebäude. Andere Schülerinnen und Schüler hatten sich mit Themen wie Flucht und Migration im Zweiten Weltkrieg, Euthanasie oder häuslichen und schulischen Lernzielen unter dem Eindruck des NS-Regimes auseinandergesetzt. Für ihre Ausstellungspräsentation und ihre Facharbeiten bekamen die Schüler am Ende auch Noten.

In dem Seminarfach beschäftigen sich IGS-Schüler seit einem Jahr eigentlich mit der Geschichte Lehrtes in der Nazi-Zeit. Die Historie der Heimatstadt musste allerdings in den Hintergrund treten. Denn wegen Corona konnten die Schüler zum Recherchieren in den Quellen vor Ort nicht ins Stadtarchiv Lehrte. Stadtarchivar Jens Mastnak konnte lediglich digitales Quellenmaterial zur Verfügung stellen. Material zur Lehrter Stadtgeschichte hatten die Schüler zudem aus dem Stadtarchiv in Braunschweig bezogen.

Lehrerin ist zufrieden

Lehrerin Tanja Lippke war mit den Ergebnissen des 13. Jahrgangs aber dennoch hochzufrieden. „Die Schüler sollten anhand des Projektes wissenschaftliches Arbeiten lernen – viele sind dabei über sich hinausgewachsen“, erklärte Lippke.